Powerpack oder Energiefresser? Mieterstrom und Ladeinfrastruktur für E-Autos

Johannes Hanusch, Simon Jurkat

Der Trend zur Elektromobillität ist für Wohnungsunternehmen ein guter Grund über eine entsprechende Infrastruktur an ihren Mietshäusern nachzudenken. In unserer Studie, die RITTERWALD gemeinsam mit dem Fachgebiet Energie- und Ressourcenmanagement der TU Berlin durchgeführt hat, wurde untersucht, ob sich Investitionen in eine Ladeinfrastruktur und Speicherlösungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt lohnen, ob sich Ladestationen mit Photovoltaik-Mieterstromprojekten sinnvoll kombinieren lassen, welche Synergieeffekte durch das kombinierte Geschäftsmodell aus Mieterstrom und Ladeinfrastruktur entstehen können und wieviel Potential diese Kopplung hat.

Modelliert wurde die Untersuchung für Anlagen mit einer Photovoltaik-Leistung von 26,4 bis 462 kWp und Mehrfamilienhäusern mit 40 bis 350 Wohneinheiten über eine Projektlaufzeit von 20 Jahren. Die Ladestationen sollen im Modell durch Fahrzeuge eines stationären Carsharings genutzt werden. 

Betrachtete Faktoren sind die Anzahl der Wohneinheiten, die Größe der Photovoltaik-Anlage, die Umsetzung des Mieterstrommodells, die Anzahl der Ladepunkte, die Abnahmemenge pro Ladepunkt, die Partizipationsquote der Wohneinheiten und die Größe des Zwischenspeichers. Die Auswertung umfasst sowohl ökonomische als auch technische Kennzahlen zum Speicher, zum Autarkiegrad und dem Eigenverbrauchsanteil.

Die Studie zielt dabei nicht darauf ab, ein reales Projekt genau zu berechnen, sondern will Korrelationen in einem durchschnittlichen Projekt mit durchschnittlichen Erzeugungs- und Abnahmeprofilen untersuchen.

Ergebnisse

Mieterstrom sollte fester Bestandteil von Smart City-Konzepten sein. Aber obwohl eine Verbindung von Mieterstrom und Ladestationen sinnvoll und naheliegend scheint, ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt unrentabel, Mieterstromprojekte um eine Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu erweitern. Erst bei hohen Abnahmemengen und Preisen, die von den gedeckelten Mieterstrompreisen entkoppelt werden, wird die Ladeinfrastruktur wirtschaftlich.

 Mieterstromprojekte mit einem Zwischenspeicher haben zwar Vorteile wie einen höheren Autarkiegrad und Eigenverbrauchsanteil, sie können das Netz entlasten und den Anteil von umweltfreundlichem Strom im Mix erhöhen. Allerdings ist ein Speicher zurzeit noch zu teuer, um im Rahmen eines Mieterstromprojekts wirtschaftlich eingesetzt zu werden. Hinzu kommt, dass Speichergröße, Photovoltaik-Leistung und Stromabnahmemenge optimal auf einander abgestimmt sein müssen, damit die Investition in den Speicher nicht völlig wirkungslos verpufft. Mit sinkenden Anschaffungskosten bei Speicher ist zu rechnen und auch die seit 15 Jahren steigenden Strompreise werden perspektivisch zur Rentabilität solcher Projekte führen – es lohnt sich also noch zu warten. 

 Zudem existieren bereits Konzepte für die Flexibilisierung vorhandener Strommengen und Speicherkapazitäten, die mit Mieterstrom kombiniert werden können. Die Möglichkeit selbst erzeugten Strom untereinander in Strom-Communities zu tauschen oder in einer gemeinsamen Cloud zu teilen, bietet spannende Perspektiven auch für Mieterstromprojekte. Zeitabhängige Strompreise, neue Abrechnungsmodelle, die nicht nur Strompreise pro kWh vorsehen, die Möglichkeit, vorgehaltene Kapazitäten auch auf niedrigerer Ebene als nur auf Netzebene zu handeln oder die Speicherkapazität von Elektrofahrzeugen ins Stromnetz zu integrieren, sind weitere wegweisende Ideen, die in Zukunft an Relevanz gewinnen werden und solche Systeme noch dynamischer werden lassen.

Die ganze Studie als PDF zum Download.